Zurück sein fühlt sich toll an

Schweiz/Deutschland: Gossau – Hamburg, 17.4. bis 22.6.2020: 

Wir sind zurück in der Schweiz. “Waaas”? Ist die erste Reaktion unserer Freunde, die wir nacheinander telefonisch informieren. „Ist das jetzt nicht ein Schock für euch?“ Tja, was sollen wir sagen. In Corona-Zeiten nach 16 Monaten Reisen nach Hause zu kommen ist schon irgendwie komisch, aber irgendwie auch toll!

Denn eine positive Eigenschaft, die Corona mit sich bringt, ist Zeit. Wir genießen spontane Abende mit unseren Freunden, die sonst immer ziemlich ausgebucht sind und wir machen es uns in unserer eigenen 3-Zimmer Wohnung erstmal so richtig gemütlich. Eigene Küche zum austoben, eigenes Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Büro. Ach ist das herrlich nach so langer Zeit unterwegs. 

Klar tut der Abstand – den wir am Anfang auch brav versuchen einzuhalten – weh und ist ungewohnt. Nach 2 Wochen freiwilliger „Quarantäne“ werden dann doch Romans Eltern geknuddelt. Das Zurücksein ist so richtig schön. Wir sitzen gemütlich mit Freunden im Garten, wir essen Kuchen mit den Eltern, wir verbringen viel Zeit mit den Kids und werden von allen auf höchster Stufe verwöhnt.

Manche Freunde werden dank Corona sogar richtig kreativ und schmeißen sich für unser Wiedersehen in Schale.

Doch neben den ganzen Begegnungen mit Familie und Freunde muss das weitere Leben ein wenig „geplant“ werden. Zurück im Leben mit Terminen, ToDo`s und Hausschlüssel. Und die Gefahr, schnell wieder in alte Muster zu fallen ist groß. Jetzt muss ein Job her, eine Wohnung gefunden und ein Umzug organisiert werden. Doch die Grenzen zwischen der Schweiz und Deutschland sind zu und wir wissen nicht, wann wir nach Hamburg zu meiner Familie können. Schon spüren wir, wie wir ein wenig die Leichtigkeit verlieren und ein Stück weit loslassen müssen von dieser freien Zeit des Reisens. Eine große Herausforderung weiterhin in das Leben zu vertrauen, und darauf, dass alles gut kommt.

Die Sehnsucht zu meiner Familie wird nach ein paar Wochen in der Schweiz grösser und grösser und täglich schaue ich die Updates über die Grenzkontrollen im Internet nach. Denn offiziell darf Roman noch nicht einreisen. Und dann kommt Anfang Mai die erlösende Nachricht: Die Grenzkontrollen werden gelockert und der Zugverkehr normalisiert. Wir buchen für Ende Mai den Zug von Zürich nach Hamburg und hoffen, dass alles klappt.

Unsere Tage in der Schweiz sind gezählt und es schleicht sich ein mulmiges Gefühl ein. Gerade erst angekommen, müssen wir uns von den Liebsten schon wieder verabschieden. Ein Teufelskreis der Gefühle und der Abschied fällt schwer. Denn unsere Entscheidung nach Hamburg zu ziehen steht fest. Zu groß ist für mich die Sehnsucht, nach 12 Jahren Ausland wieder in die Heimat zu kommen. Und für Roman bieten sich unglaublich viele spannende Jobmöglichkeiten im hohen Norden an. Also wird der Rucksack erneut gepackt. Diesmal ohne Campingausrüstung aber dafür mit unseren wichtigen Dokumenten und Alltagsklamotten.

Bei unserem letzten Abend mit unseren Freunden wird sich nochmals geknuddelt und gedrückt. Unsere kleine Wohncommunity war richtig toll und wir werden das Zusammenleben sehr vermissen. Ausgestattet mit tollen Schweizer Spezialitäten treten wir unsere – vorerst letzte – Reise nach Hamburg an.

Ich bin nervös das alles klappt. Hoffentlich haben wir keine Grenzkontrolle, hoffentlich fährt der Zug auch wie geplant und der Abschied aus der Schweiz trägt auch noch auf das Gemüt. Spannende Zeiten stehen vor uns und nicht jeden Tag kann man die ungewisse Zukunft gleich gut annehmen. Roman ist da wie immer mein Ruhepol und Kraftspender.

Doch meine Befürchtungen einer Horror-Fahrt sind unbegründet und wir fahren am Nachmittag pünktlich in Hamburg ein. Auch hier fällt das große Tam-Tam weg und als wir am Bahnhof ankommen winken uns mein Papa und meine Stiefmama zu.

Wir drücken uns trotz Corona und genießen einen friedlich Abend zu viert bevor es am nächsten Tag zu meiner Schwester und den Kindern geht. Die Kinder flippen bei unserer Ankunft aus und wir fallen uns alle glücklich in die Arme.

Auch meine Schwester und ihr Mann haben sich für uns ins Zeug gelegt und den kompletten Keller ausgemistet und für uns wohnhaft gemacht. Wir bekommen ein eigenes Zimmer mit Schlafcouch und eigenem Badezimmer. Besser ginge es gar nicht und wir sind erneut gerührt und dankbar über diese Selbstverständlichkeit, uns aufzunehmen. Von hier aus lässt sich erstmal das Ankommen und Familienleben genießen. Es ist so schön zurück zu sein und an meinem Geburtstag kommen wir alle zusammen um auf unser Wiedersehen anzustoßen.

Doch schon die ersten 3 Wochen Hamburg haben es in sich. Denn schon zurück von der langen und lehrreichen Reise stehen wir vor einer großen Entscheidung. Ob das etwas mit Romans Traum – ein eigenes Permakultur-Projekt umzusetzen – zu tun hat?

Wie ihr seht bleibt unser Leben spannend und wir werden im nächsten Beitrag darüber berichten. Hier zunächst die Bilder des kunterbunten Wiedersehens mit all unseren großartigen Freunden und Familie. Es ist so schön, dass es euch alle gibt.


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