Alltag einer einzigartigen Familie

Bolivien: La Paz, 1. bis 4.7.19:

La Paz, die 2 Millionen Stadt auf 3500 bis 4000 Metern Höhe zieht jährlich tausende von Touristen an, die sich Alpaka-Pullis kaufen oder diverse Abenteuer in der Umgebung erleben. Wir waren eigentlich nicht so motiviert die Stadt kennenzulernen, doch dann erhalten wir eine Couchsurfing-Zusage von einer Familie. Und nun folgt eine emotionale und ganz spezielle Erfahrung mit einer einzigartigen Familie, mit denen wir für vier Tage das Leben geteilt haben. 

Morgens um 10 Uhr und noch etwas gerädert von der Nachtbusfahrt begrüßt uns der Papa Erinh mit Tee und heisst uns herzlich willkommen. Wir befinden uns im dritten Stock eines Gebäudes mitten im wuseligen Stadtzentrum. Zwei Schlafzimmer, Küche, Bad und ein kleiner Wohnraum. Die Einrichtung ist überschaubar, ein Tisch, zwei Stühle und ein Sofa. An der Wand lehnt eine Prothese, überall liegen geknüpfte Armbänder herum. 

Kurze Zeit später lernen wir den Rest der Familie kennen. Die Mutter Arminda kommt erschöpft die Treppen hoch, auf ihrem Arm die 9-jährige Tochter Genesis, gefolgt von Erick, dem 18-Jährigen Sohn. Alle umarmen uns herzlich und freuen sich über unseren Besuch. Dann erst nehmen wir den Rollstuhl war, den Erinh die drei Stockwerke hoch schleppt und in die Ecke stellt. 

Erinh schildert uns die Situation. Beide Kinder sind mit seltenen Krankheiten geboren. Erick hat durch die Krankheit Hidrocefalia, die auch Wasserkopf genannt wird, ein verlangsamtes Sprachzentrum, ist soweit aber selbstständig und beendet in einem Jahr seine Schule. Genesis ist mit der Krankheit Lipomyelomeningocele geboren. Durch eine Fehlbildungen des Wirbelkanals und die damit verbundene Schrägstellung der Beine kann Genesis nicht laufen und ist an den Rollstuhl gebunden. Ärzte in ihrer Heimatstadt Vallegrande im Südosten Boliviens haben nicht große Hoffnung darauf gesetzt, dass Genesis je laufen kann. Doch damit finden sich Erinh und Arminda nicht so schnell ab. Kurzerhand haben sie ihre paar Sachen gepackt und sind für eine Weile nach la Paz gezogen, um bessere medizinische Versorgung zu erhalten. Momentan geht Genesis 5-mal die Woche zur Physiotherapie und macht schon enorme Fortschritte. Eine neue Prothese soll ihr bei dem Prozess laufen zu lernen helfen. Die ganze Familie ist zuversichtlich, dass Genesis eines Tages laufen kann. 

Physiotherapie, Prothesen, Rollstuhl, Operationen, all diese Dinge kosten richtig viel Geld und werden von der bolivianische Krankenkasse nicht gedeckt. Arminda und Erinh mussten ihre Jobs unterbrechen um nach la Paz zu kommen, also ist Kreativität gefragt, wie all die Rechnungen bezahlt werden sollen. 

Doch an Kreativität fehlt es der Familie zum Glück nicht. Fleißig basteln sie Armbänder, Ohrringe und Ketten aus den unterschiedlichsten Materialien. Abends trifft man die Familie auf der Straße, Erinh verkauft den Schmuck, Arminda und Genesis singen. Das eingenommene Geld geht für die Therapien und den Lebensunterhalt drauf. 

Und trotz der bescheidenen Ressourcen laden sie regelmäßig und völlig selbstverständlich Menschen zu sich nach Hause ein. Wir bekommen eines der zwei Schlafzimmer und fühlen uns unwohl in dem Zimmer zu zweit zu schlafen, wo nebenan die ganze Familie und eine Freundin von Erick zu fünft auf einer Matratzen-Wiese schlafen. Doch ihr Leben mit anderen zu teilen, erfüllt sie mit Glück und Zufriedenheit. Und all die unterschiedlichen Menschen bringen frischen Wind und neue Energien in den harten Alltag.

Wir sind gerührt von der Familie, hören lange einfach den Geschichten zu, die ein oder andere Träne rollt vor Betroffenheit und bereits am ersten Abend fühlen wir uns sehr verbunden. Uns geht das Schicksal nah und als wir am folgenden Tag etwas mit der Seilbahn die Stadt kennenlernen kommt uns die Idee, ein Video-Porträt der Familie zu drehen. 

Als wir die Familie fragen, ob wir sie einen Tag lang mit der Kamera begleiten können, sind sie sehr gerührt, dass wir unsere Zeit mit ihnen teilen möchten und natürlich einverstanden. 

Doch schaut selber was für eine Energie diese Familie hat: 

Uns hat diese Familie gezeigt, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Lebe jeden Moment und schätze die kleinen Dinge im Leben. Geben macht glücklich auch ohne einen Gegenwert zu erhalten. Ein Danke, ein Lachen und eine Umarmung ist nicht mit Geld zu bezahlen. Nicht aufgeben und für das kämpfen, an was man glaubt. Positiv bleiben um die Träume zu erreichen und sein Herz anderen öffnen, dann kommt unendlich viel Herzlichkeit zurück. Und ein funktionierendes Gesundheitssystem ist keine Selbstverständlichkeit. 

Die ganze Familie würde sich über vieles Teilen und Liken auf Facebook freuen, was ihnen weiterhin viel Energie und Zuversicht gibt. Zudem möchten wir diese Familie unterstützen, damit Genesis so lange wie möglich zur Physiotherapie gehen kann, eine qualitativ hochwertige neue Prothese bekommt und weitere Operationen möglich sind. Möchtet ihr uns dabei helfen? Dann schenkt uns eine Spende. Wir werden alle Beträge sammeln und zu 100% der Familie weitergeben. Jeder noch so kleine Beitrag wächst zu etwas Großem, wenn es jeder tut.  

Betreff: Genesis 
Deutsches Konto: Alina Glückstadt, DKB, IBAN: DE67 1203 0000 1012 6247 04
Schweizer Konto: Roman Reichmuth, St.Galler Kantonalbank, IBAN: CH89 0078 1225 5029 3740 7
Paypal: romanreichmuth@gmx.ch

Wir sammeln die Beiträge bis zum 31.8.19. Danke für eure Spende, denn jeder Beitrag macht einen Unterschied!

Nach vier Tagen fahren wir weiter und verlassen schweren Herzens diese Familie, mit der wir so viel gelacht und geweint haben. Dieser Familienzusammenhalt ist ein Geschenk und ein tolles Vorbild! Danke an Arminda, Erinh, Erick und Genenis. Wir werden in Gedanken immer bei euch sein.


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