Der Gesang der Wale

Ecuador/Kolumbien: Quito – San Cipriano – Isla Gorgona, 30.8. bis 16.9.19:

In meiner Kindheit hatte ich ein Lieblingsbuch: „Der Gesang der Wale“, über ein Mädchen dessen sehnlichster Traum ist, den Gesang der Wale zu hören. Auf Rat ihres Großvaters läuft sie jeden Abend auf den Steg und legt eine Blume aufs Wasser, als Geschenk an die Wale. Sie wartet tagelang und eines Abends tanzt die Blume in den Wellen mit dem Gesang der Wale. Seit meiner Kindheit hege ich durch dieses zauberhafte Buch den selben Traum und in Kolumbien wird er nun Wirklichkeit. 

Doch fangen wir von vorne an. Noch traurig vom Abschied aus Estero de Platano kommen wir morgens in Atacames an um ein Busticket nach Quito zu kaufen. Doch es ist Freitagmorgen und alle Busse sind bis zum Nachmittag ausgebucht. Na toll. Aber Glück im Unglück spricht uns eine Frau an, ob wir nicht ihr Ticket für den nächsten Bus abkaufen möchten. Gut, ein Ticket in der Tasche müssen wir nur noch das Zweite organisieren. Die Frau fragt nach Rat der Ticketverkäuferin den Busfahrer. Kurze Zeit später sitze ich im hinteren Teil des Busses und Roman direkt neben dem Busfahrer mit Panoramablick.

8 Stunden später kommen wir in der Andengroßstadt Quito auf 2850 m.ü.M an. Wir sind es gar nicht mehr gewohnt 8 Stunden getrennt zu sein und müssen erstmal die gewonnenen Erlebnisse teilen. Schon wie vor 7 Jahren lieben die Ecuadorianischen Busgesellschaften mitten am Nachmittag die übelsten Actionfilme in voller Lautstärke abzuspielen. Zwischendurch drängen sich die Verkäufer durch die Busse und preisen ihre tollen und supergünstigen Produkte an: Obst, Yukabrot, Empanadas, Getränke, Nüsse, Chips… man verhungert nie auf einer Fahrt in Ecuador. Roman hat es da vorne etwas ruhiger und bekommt von dem Gewusel hinten nicht viel mit. 

Ich freue mich auf Quito, denn auch dort habe ich damals drei Wochen verbracht und kann meine Freundin Ana und ihre Familie nach 7 Jahren wiedersehen. Wir haben uns viel zu erzählen, gehen Abends lecker essen und lassen spontan Roman im Hostel und schwingen etwas die Hüften in einer familiären Bar. 

Wir verbringen eine ruhige Woche in Quito und organisieren die Weiterreise. Da wir damals schon recht viel von Ecuador gesehen haben, reisen wir direkt weiter nach Kolumbien. Der Bus bringt uns an die Grenze und mit dem Ausreisestempel in der Tasche laufen wir über die Brücke auf die kolumbianische Seite. Es ist viel los an der Grenze und durch die katastrophale Situation in Venezuela sehen wir viele campierende Flüchtlinge, die darauf warten, weiter nach Ecuador zu reisen. 

Wir wissen bereits unser erstes Ziel in Kolumbien: Isla Gorgona. Roman hat sich mal wieder mit seiner Recherchearbeit ins Zeug gelegt und diese abgelegene Insel mitten im Pazifik gefunden. Doch da wir auf das Fliegen verzichten wollen, ist die Anreise nur mit zwei unterschiedlichen Motorbooten möglich. Angeblich soll das erste täglich und das zweite drei mal die Woche fahren. Also buchen wir von Montag bis Freitag den Besuch auf der Insel. Zwei Tage vorher erfahren wir dann aber, dass das erste Boot am Sonntag nicht fährt. Mist, das Boot am Samstag erreichen wir nicht mehr. Also überlegen wir hin und her ob wir überhaupt gehen sollen oder das ganze um zwei Tage nach hinten schieben. Wir entscheiden uns (zum Glück) für die Insel. Und um die Zeit bis zum nächsten Boot zu überbrücken, legen wir kurzerhand einen Stop in San Cipriano ein. Ein afroamerikanisches Dorf an einem klaren Fluss mitten im Dschungel. Die Anreise zu diesem Dorf ist ganz schön spektakulär, denn lediglich Schienen von einer selten fahrenden Eisenbahn führen in dieses Dorf. Also haben die Bewohner kurzerhand Motorräder mit “Seitenwagen” schienentauglich konstruiert, womit wir in vollem Speed durch den Dschungel rasen:

Wir verbringen drei ruhige Tage im feucht-tropischen Klima, baden im Fluss und laufen zu versteckten Wasserfällen. 

Nach drei Tagen fahren wir wieder im rasanten Tempo durch den Dschungel und mit dem Bus weiter nach Buenaventura. Von dort müssen wir per Motorboot in dass abgelegene Dorf Guapi fahren. Aber als wir bei der Bootsagentur zwei Tickets kaufen wollen, heißt es das Boot sei bereits voll. Zwei Tage vorher versicherte mir aber eine Dame am Telefon das eine Reservierung nicht nötig sein. Die einzige Möglichkeit sei nun noch abzuwarten, dass eventuell jemand nicht kommt und somit zwei Plätze frei werden. Genervt und angespannt essen wir Frühstück und warten. Eine halbe Stunde vor Abfahrt winkt mich die unfreundliche Frau an den Schalter und drückt mir ohne Worte zwei Tickets in die Hand. Halleluja. Wir steigen mit ca. 40 weiteren Gästen in das Boot und beginnen die turbulente Fahrt. Das Meer ist unruhig und das Boot kracht alle paar Minuten auf die Wellen, besonders die vorderen stöhnen vor schmerzen und alle sind froh als wir nach 4,5 Stunden in Guapi ankommen. Am nächsten Morgen werden wir mit einem anderen Boot auf die Insel gebracht, und auch die Fahrt hat es in sich. Die Wellen sind hoch und das Salzwasser peitscht uns ins Gesicht. Stück für Stück kriecht das Wasser unseren Körper entlang. 

Das von dem Kapitän gereichte Regenponcho bringt nicht viel. Und nach mühsamen 2 Stunden sehen wir, komplett durchnässt, dann endlich die grüne Insel vor uns. Doch die anstrengende Anreise hat sich bereits gelohnt, direkt vor uns, keine 200 Meter vom Strand entfernt, sehen wir die ersten Buckelwale vorbei schwimmen. 

Wow… was für eine Begrüßung. Wir werden von der Nationalparkverwaltung empfangen und bekommen eine Einführung zur Insel und deren Bewohner. Naturschutz wird hier groß geschrieben, die Insel besitzt nur eine Unterkunft, zwei Wege die man nur mit einem Führer laufen darf und alles ist streng reguliert. Jenste Tiere leben hier friedvoll im Regenwald und in den Korallenriffen, einige davon endemisch. Wir werden direkt von Echsen und Affen begrüßt, die um uns herumlaufen. Ein geschütztes Paradies auf Erden. 

Das wohl größte Highlight der Insel sind die über tausend Buckelwale, die rund um der Insel in der Zeit von Juli bis Oktober ihre Kinder auf die Welt bringen. Ganz nah an der Küste schwimmen sie gemächlich vorbei. Am ersten Abend sehen wir direkt im Sonnenuntergang einen springenden Wal und können die Nähe zum Land kaum glauben. Sie schwimmen vor allem mit den Kindern gerne in der geschützten Tiefe von 15-20 Metern. Jeden Tag werden wir mit dem Sichten von Rückenflossen beglückt. 

Unterwasser tauchen wir in eine Welt voller Schildkröten, Muränen, Barrakuda-Schwärme, Korallen und bunten Fischschwärmen. Aber das wohl beeindruckendste ist der noch nie gehörte Sound, der uns bei jedem Tauch- und Schnorchelgang begleitet – der Gesang der Wale. Manchmal in der Ferne, manchmal so intensiv, dass wir das Gefühl haben sie schwimmen direkt vor uns. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl den Geräuschen dieser majestätischen Wesen zu lauschen. Aber taucht selber in die magische Unterwasserwelt ein:

Unser größter Traum wäre es natürlich diese wunderbaren Geschöpfe unterwasser zu begegnen. Unser Tauchguide Fabio empfiehlt uns einen Ort zum Schnorcheln an dem er schon mehrmals mit den Walen geschwommen ist. Wir schnappen uns kurzerhand die Masken und Flossen und scannen die Wasseroberfläche. Von links schwimmen Wale nah an der Küste entlang auf diesen Ort zu. Mist, wir sind fast zu spät um sie noch einzuholen. Wir rennen den Strand entlang, ziehen uns in Windeseile die Flossen an, sehen die Wale ungefähr 100 Meter vor uns auftauchen und schwimmen im Speedtempo los. Unser Herz klopft und immer wieder scannen wir die Wasseroberfläche. Die Sicht im Wasser ist leider nur bei ca. 7-10 Metern, daher müssten wir recht nah ran um sie überhaupt zu sehen. Doch wir verlieren das Rennen. Als wir entfernt vom Ufer im Wasser paddeln sehen wir schon weiter hinten die Flossen am Horizont. Es sollte nicht sein. Doch auf einer Bootstour werden wir dann noch Zeuge eines gewaltigen Anblicks: eines springenden Wals aus nächster Nähe.

Majestätisch springt er vor unserem Boot einige Male in die Höhe, Romans Kamera klickt im Halbsekunden-Takt. Wir fragen uns, was diese tonnenschweren Geschöpfe dazu bewegt, so viel Energie aufzuwenden um diesen Körper in die Höhe zu bewegen. Und wir erfahren, dass die Sprünge der Kommunikation dienen. Denn der Aufprall schallt Unterwasser weiter als der Gesang und erreicht somit weiter entfernte Wale. Was genau die Wale kommunizieren ist den Wissenschaftlern unklar, aber dem Aufwand zufolge müssen es wichtige Nachrichten sein. 

Wir könnten ewig Zeit auf dieser Insel verbringen. Viele Freiwillige helfen mit, die Insel zu schützen. Wir sind sehr froh um die Arbeit hier, es müssten häufiger so gewissenhaft Umweltschutz betrieben werden um solche Naturparadiese nachhaltig zu schützen. Genießt nun weitere grandiose Bilder von Roman. 


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