10 Monate on the road

Unser Fazit: wir machen weiter.

Genau vor 10 Monaten haben wir an Bord der Grande Amburgo unsere Reise begonnen. 10 Monate später können wir nicht fassen, dass wir schon fast ein Jahr reisen. Noch nie waren wir beide so lange unterwegs, noch nie sind wir ohne Flugzeug gereist, noch nie per Anhalter gefahren, noch nie haben wir so viele Mehrtagestouren gemacht, noch nie haben wir bei fremden Personen auf der Couch geschlafen. Eine Reise voller neuer Erfahrungen. 

Wir erleben ständig tolle Momente und sind nur glücklich. Ha, wer es glaubt! Natürlich haben auch wir unsere Krisen, zicken uns an, weinen weil wir mit einer Situation nicht umgehen können oder wünschen uns die Umarmung unserer Familie und Freunde.

Manchmal nervt das Reisen auch brutal, am schlimmsten sind aufdringliche Taxifahrer nach einer Nachtbusfahrt oder unbequeme Betten. Manchmal hat man einfach keine Lust seinen Rucksack zu packen und häufig fühlen wir uns schon etwas underdressed in unseren löchrigen Klamotten. 

Aber wir lieben es! Wir fühlen uns lebendig und unglaublich dankbar, dass wir das gemeinsam erleben dürfen. Wir sind ein starkes Reiseteam und lernen sogar nach fast 12 Jahren Beziehung noch mehr über uns kennen. Wir ergänzen uns in ganz vielen Situationen, genießen die Freiheit und auch die intensive Zweisamkeit. Zeit für sich zu haben ist ein großes Geschenk in dem so hektischen und durchgeplanten Alltag. Solch eine lange Reise öffnet einem die Augen für Vieles. Zum Beispiel wie wichtig es ist Zeit im Leben für Dinge zu haben, die einem richtig Spaß machen, Zeit für sich selbst zu haben, Zeit für seinen Partner zu haben. Und zu realisieren, dass man eigentlich nicht viel braucht, es lebt sich nicht schlecht aus einem Rucksack. 

Und nun die schlechte Nachricht, vor allem für unsere Freunde und Familie: wir sind noch nicht Reisemüde. Wir wollen noch weiter die Welt entdecken und all diese wunderbaren Menschen und Orte kennen lernen. Und uns dabei nicht stressen und unserem Motto “slowaround” stets gerecht bleiben. Doch nun heißt es langsam Südamerika verlassen. Wir möchten weiter nach Australien um unsere Freunde nach 12 Jahren wieder zu sehen. Doch leider haben wir uns die Pazifiküberquerung ohne Flugzeug leichter vorgestellt. 

Bereits vor 2 Monaten schrieben wir 10 unterschiedliche Reiseagenturen an, die auf Frachtschiffreisen spezialisiert sind. Und von allen erhalten wir die ernüchternde Nachricht: es geht nicht. Es fahren nur ganz wenige Frachtschiffe von Amerika nach Australien und die wenigen Plätze für die Passagiere sind auf Monate ausgebucht. Es gab Anfang dieses Jahr eine drastische Kürzung der Schiffe auf dieser Route und vieles läuft nur noch via Asien – was für uns natürlich ein riesiger Umweg wäre und auch enorm ins Geld gehen würde. Wir sind frustriert und hatten dieses Ergebnis nicht erwartet. In unserer Verzweiflung schauen wir sogar ob Kreuzfahrtschiffe diese Route fahren, aber auch da müssten wir zunächst nach Vancouver und uns ein Kleid und Jackett kaufen – auch nicht so wirklich tolle Aussichten. Die Segelsaison ist leider auch vorbei und wir hätten ehrlich gesagt auch etwas Respekt ohne Erfahrung diesen großen Ozean in ca. 3 Monaten zu segeln. Also bleibt uns nur eins: fliegen. 

Wir mögen den Gedanken nicht und hatten uns schon auf das langsame Überqueren des Pazifiks gefreut. Aber wir möchten auch nicht auf Australien verzichten. Romans Traum in den Südpazifik zu reisen schlummerte auch immer wieder im Hinterkopf und so entscheiden wir uns nach langem hin und her für einen Flug nach Sydney mit einem 3-wöchigem Zwischenstopp auf Fidschi. Denn ob wir in unserem Leben nochmals in diese Ecke der Welt kommen ist fraglich. Der Moment des Buchens ist sehr komisch, aber wir freuen uns natürlich auch auf die neue Wendung der Reise. Wir möchten aber auf jeden Fall unsere Flüge kompensieren, das bedeutet für uns kein “Freikaufen” sondern wenigstens einen freiwilligen Beitrag zum CO2-Ausstoß leisten. Momentan wird in Deutschland und auch in der Schweiz darüber diskutiert, dass eine CO2-Abgabe bei Flügen gesetzlich vorgeschrieben wird. Eine wichtige Entscheidung, denn es sollte einfach nicht sein, dass Menschen günstiger von einem Ort zum anderen fliegen können als den Zug zu nehmen. Wir berechnen unseren CO2-Fussabdruck und kommen auf 3-4 t CO2 Ausstoß pro Person je nach Kalkulator. Mal so zum Vergleich: 0.6 t CO2 sollte eine Person maximal pro Jahr verursachen, um den Klimawandel aufzuhalten, momentan sind wir aber im EU-Durchschnitt bei 8.4 t (Angaben gemäss Myclimate. Wir entscheiden uns für eine Spende von 100 Euro pro Person an die Tropenwaldstiftung Oroverde, die sich für Regenwaldschutzprojekte einsetzt. 

Es ist nun ein komisches Gefühl Südamerika nach 10 Monaten zu verlassen. Ich werde das Spanisch vermissen, den Salsa aus den Boxen an jeder Straßenecke und die fröhliche Lebenseinstellung. Aber nun erwartet uns das Kennenlernen der Fidschi-Kultur und das Zurückkehren nach Australien. Aber auf einen weiteren Beitrag aus Kolumbien könnt ihr euch schon mal freuen – zwei Wochen als Freiwillige auf einer Permakultur-Farm in den tropischen Berge. Dazu schon bald mehr, es bleibt spannend :)!


Ein Gedanke zu “10 Monate on the road

  1. Habe mich nach drei Monaten wieder mit Thomas beim Griechen getroffen, den ich, also
    Thomas, seit über 60 Jahren, meinen Freund nenne. Auch das nenne ich, wie Ihr auch
    beim Reisen, eine wertvolle Erfahrung.
    10 Monate zusammen zu reisen, eine einmalige Erfahrung des Sich-noch-besseren
    -Kennenlernens, auch für Euer kommenden Leben, danach, wenn Euch der mehr
    oder weniger fade Alltag eingeholt haben wird.
    Jedoch bleibt natürlich auch immer noch die Option mit Kind und Kegel zu reisen.
    Wie es viele vorgemacht haben.
    Großartig Eure Reiseeindrücke, die veranschaulichen, daß reisen nicht nur eitel
    Sonnenschein ist, sondern auch gewisse Anstrengungen mit sich bringt, die Ihr
    gemeinsam bewältigt und damit noch mehr zusammenwachst.
    Ich wünsche Euch beim Reisen weiterhin diesen Pioniergeist, Liebe und Kraft
    beim Gelingen.
    Auf zu neuen Ufern! For ever!

    Jörn Schledermann aus Hamburg (wir haben hier einen spätsommerlichen Tag)

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