Zurück in Australien

Australien: Melbourne, 13.11. bis 25.11.19:

Wir stehen am Terminal und boarden das Flugzeug nach Sydney. Ein leichtes kribbeln im Bauch. Nach mehr als 11 Jahren geht es für mich und Roman zurück in das Land, in dem unsere Liebe begann. Völlig surreal für uns, wo sind die letzten Jahre geblieben und wie wird das Wiedersehen mit unseren alten Freunden und Arbeitskollegen? 

Angekommen in Australien müssen wir zunächst einen kleinen Kulturschock verkraften. Nach 11 Monaten sind wir zurück in einem westlich-geprägten Land. Chinesische Touristen laufen fotografierend mit ihren Tablets an uns vorbei, die Geschäftsleute im Anzug und Highheels hetzen zur Mittagspause und wir staunen nicht schlecht über das 12 Euro-Ticket für 4 Stationen Bahnfahrt. Welcome back in Australia. Die Auswahl in den Supermärkten ist gewaltig und überfordernd. Wir verbringen staunend den Nachmittag in Sydney und buchen direkt am Abend den Nachtbus nach Melbourne, da dort all unsere Freunde leben. Der Busfahrer begrüßt uns freundlich durch das Mikrophon und wir meckern etwas über den wenig vorhandenen Komfort im Bus. Das ist mit dem Standard in Südamerika nicht zu vergleichen und wir merken, dass wir zurück in einem Auto-Land sind. 

Morgens um 7 Uhr kommen wir in Melbourne an und nach kurzer Orientierung schaffen wir es wieder uns an das U-Bahnnetz zu gewöhnen und fahren zur Familie Spring-Brown. Ich habe damals bei meinem Work-and-Travel Jahr in Australien bei Troy und Jess gelebt. Mitten im Outback bei Troys Cousin haben wir uns kennengelernt und sie haben mich eingeladen mit ihnen zu leben, wann immer ich möchte. Da wir uns auf Anhieb sofort verstanden haben, war ein Zwischenstopp in Melbourne selbstverständlich und ich blieb für 3 Monate bei ihnen und arbeitete in einem Café. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland blieben wir über all die Jahre im Kontakt. Doch das halbjährige Baby Madison, dass ich damals die Flasche gab, hat nun den schwarzen Gürtel in Taekwondo. Die damals zweijährige Tochter Georgia ist nun eine junge Frau in der Highschool, spielt Klavier und wird bald 14. Zwei weitere aufgeweckte Mädels kamen in der Zwischenzeit noch dazu. Wir klopfen morgens um 8.30 Uhr an der Haustür und werden von einer geballten Mädelschar begrüßt und umarmt. Erinnern können sie sich natürlich nicht mehr an mich, aber die Chemie stimmt immer noch und schnell sind die 11 Jahren vergessen. 

Troy und Jess haben sich kaum verändert und wir feiern das Wiedersehen. Schon nach einem Tag sind Roman und ich im Alltagsleben integriert, holen die Kids von der Schule ab, springen auf dem Trampolin, trinken Bier im Stubby Holder (typisch Australisch, eine Schaumstoff-Hülle damit das Bier länger kühl bleibt), kochen gemeinsam und basteln. Alle vier Mädels sind Energiebündel und geben uns eine lachintensive Zeit. Roman und ich genießen in vollen Zügen Teil dieses kunterbunten Familienlebens zu sein. 

Am Wochenende packen wir ganz spontan das Wohnmobil und den Anhänger und fahren aufs Land um dem neuen Hobby der Familie nach zu gehen: Motorbike fahren. Wir verbringen einen nicht wirklich nachhaltigen, dafür aber sehr lustigen Tag im australischen Busch und cruisen durch die Gegend. 

Nach ein paar Tagen reisen wir weiter in den Südosten Melbournes und verbringen einen gemütlichen Abend mit Übernachtung bei Romans altem schweizer Arbeitskollegen Michi, seiner australischen Frau Julie und den beiden Kindern die wir noch nicht kannten. Dann geht es weiter in den Osten Melbournes, dort wo Roman gelebt und gearbeitet hat. Wir treffen Hermann wieder, Romans ehemaliger Chef und der Mann, der uns damals verkuppelt hat. Hermann kommt ursprünglich aus Hamburg lebt aber seit Jahrzehnten in Australien. Da meine Mutter mit seiner Schwester in die Schule gegangen ist, habe ich ihn damals besucht und für eine Zeit lang bei ihm gelebt. Bis er eines Tages auf die Idee kam mich mit Roman zu verkuppeln. 

Ich hab eigentlich immer schon mal unsere Liebesgeschichte aufschreiben wollen – wäre doch jetzt mal der richtige Moment, für alle, die diese Geschichte noch nicht kennen. 

Ich habe damals zwei Monate bei Hermann gelebt und auf einer Baumschule gearbeitet um mir das Weiterreisen zu verdienen. Eines Tages kommt Hermann auf mich zu und sagt “Alina, willst du nicht mehr von Australien kennenlernen”, klar will ich, war meine Antwort. “Ich habe da diesen super netten Mitarbeiter, der aber nun gekündigt hat und auf einen Roadtrip für zwei Monate alleine, dann im dritten Monat mit seinem Bruder geht. Willst du ihn nicht die ersten zwei Monate begleiten?” Klingt gut, sagte ich direkt, aber ich kenn den Typen ja gar nicht. Kurzerhand luden wir Roman für den nächsten Abend zum Essen ein. Ich, braungebrannt und mit zerrissener Jeans, gerade vom Einkaufen zurückkommend und Roman, mit langen Haaren gerade den Hund streichelnd, begegneten wir uns im März 2008 in Hermanns Küche. Direkt super sympathisch erklärte mir Roman seine Reisepläne: 2 Monate Westküste, wandern, schnorcheln, tauchen, Einsamkeit. Cool, ich war direkt begeistert. Als arme Backpackerin war ein Roadtrip natürlich ein Traum und ich sagte kurzerhand zu mitzukommen, obwohl ich eigentlich eine Nacht darüber schlafen wollte. Aber was soll schon schief gehen mit so einem netten jungen Mann. Nächsten Tag kündigte ich meinen Job, rief meine Eltern an, packte meinen Rucksack und drei Tage später saßen wir im Auto Richtung Westen. Tja und der Rest ist Geschichte. 

Vor 12 Jahren irgendwo in Australia

Damals hätten wir nicht gedacht, dass wir 12 Jahre später als Paar nach Australien zurück kommen. Umso spezieller ist diese Rückkehr für uns. Wir verbringen einen Tag mit Hermann, haben uns viel zu erzählen und sehen zum Glück noch die Tochter Colette, die mittlerweile eine wunderbare junge Frau geworden ist und Medizin studiert. Zum Essen Abends kommt noch Sandra dazu, Romans ehemalige Arbeitskollegin. 

Der Besuchs-Marathon geht weiter und wir verbringen zum Abschluss das Wochenende bei Troy, einem weiteren ehemaligen Arbeitskollegen von Roman, und seiner Frau Crystal. Wir werde. begeisternd empfangen und erstmal über unsere Reise ausgefragt. Auch hier sehen wir die vergangene Zeit in erster Linie bei den Kindern, die mittlerweile fast erwachsen sind. Das Wiedersehen ist eine grosse Freude und wir verbringen ein gemütliches Wochenende mit der Familie, plaudern über vergangene Zeiten bei einem leckeren Barbecue und Bier. 

Nach diesen wunderbaren zwei Wochen in Melbourne haben wir schon die nächsten Pläne: zwei Wochen Tasmanien mit meiner Freundin Solveig aus Hamburg. Wie es dazu kam schon bald mehr im nächsten Beitrag. Doch nun noch einmal ein riesiges Dankeschön an unsere Freunde aus Melbourne. Danke Troy und Jess, Michi und Julie, Hermann und Colette, Sandra, Troy und Crystal, für die großartige Gastfreundschaft und all die schönen, lustigen Abende und die wunderbaren Momente mit allen Kindern, mit denen wir so viel Lachen konnten. Es war wunderbar mit euch und hoffentlich auf ein anderes Mal. 


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