Selfie mit den Wombats

Australien: Roadtrip durch Tasmanien, 25.11. bis 9.12.19:

Nach all diesen wunderbaren Besuchen in Melbourne haben wir auch schon das nächste Highlight vor uns. Meine Freundin Solveig aus Hamburg ist in Australien. Sie hat damals auch in Australien gelebt, war in all den Jahren nie zurück und wurde nun zu zwei Hochzeiten eingeladen. Also beschloss sie ihren Jahresurlaub zu sparen um 6 Wochen nach China und Australien zu reisen. Als wir das erfuhren, haben wir natürlich versucht unsere gemeinsame Zeit zu terminieren und uns für 2 Wochen Tasmanien entschieden – und es war grandios.

Wir sitzen mit gepackten Wander-Rucksäcken im Zug zum Hauptbahnhof und irgendwie hab ich durch all die intensiven Momente der vergangenen 2 Wochen Melbourne noch gar nicht viel an Solveigs Besuch gedacht. Seit 26 Jahren sind wir unzertrennlich, haben die meiste Zeit unserer Kindheit und Jugend gemeinsam verbracht, viele tolle Reisen erlebt und uns seit einem Jahr nicht gesehen. Dementsprechend schön und tränenreich wurde natürlich das Wiedersehen. Wir boarden noch am gleichen Abend die Fähre nach Tasmanien und sind von dem Komfort direkt begeistert. Als wir mit einer Rolltreppe den Eingang des Schiffes hochfahren, fühlen wir uns fast ein bisschen wie auf einem Kreuzfahrtschiff, natürlich die rustikale Variante mit Wanderhose und Trekkingschuhen. Unsere Stühle sind super bequem und Decke und Kissen machen die Nachtfahrt sehr luxuriös und erholsam. 

Fast alle Australier haben uns vor dem nicht vorhandenen öffentlichen Verkehrsnetz auf Tasmanien gewarnt. Somit entscheiden wir uns kurzerhand ein Auto zu mieten und beginnen einen wunderschönen Roadtrip durch die unglaublich abwechslungsreiche Landschaft Tasmaniens. Selbstverständlich immer der Wetterprognose folgend, denn Tasmanien im November kann alles sein: 30 Grad, Schnee oder extreme Windböen. Das Wetter führt uns zunächst an die Westküste, wo wir für zwei Tage den rauen, windigen aber auch menschenleeren Küstenabschnitt genießen. 

Auf dem Wetterradar beobachten wir eine zweitägige Gut-Wetter-Front in den Bergen und entscheiden uns für einen 2-Tages-Trip um den Cradle Mountain. Mit gepackten Rucksäcken wandern wir bei herrlichstem Sonnenschein, aber leider auch stets einer steifen Brise, los. 

Solveig will unbedingt Wombats sehen, ich Kängurus und Roman alles was lebendig ist und vor die Linse passt. Und deshalb quicken wir alle vor Begeisterung los, als wir keine 10 Minuten laufen und einen süßen dicken Wombat direkt neben uns beim Fressen beobachten können. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass noch viele Wombat-Begegnungen folgen und fotografieren wie irre los. Wir laufen nach diesem Foto-Highlight weiter die wunderschöne Landschaft entlang und genießen die Ruhe der Natur. 

Damit wir auch ein bisschen Herausforderung haben, entscheiden wir uns noch für einen Abstecher auf die Spitze des Cradle Mountain und nach einer intensiven und anstrengenden Kletterpartie erreichen wir den Gipfel in der Nachmittagssonne ohne eine Menschenseele. 

Abends im Zelt wird es dann ziemlich frisch und dank des konstanten Windes müssen wir uns tagsüber trotz Sonne an die Regenjacke gewöhnen. Aber die Berge, Seen und Flüsse um uns herum entschädigen für die kalte und laufende Nase. Am zweiten Tag werden wir kurz vor Ende der Wanderung nochmals von einem extrem zutraulichen Wombat verabschiedet. Keine zwei Meter entfernt frisst er gemütlich sein Mittagessen, posiert vor Romans Kamera und schnüffelt etwas skeptisch an Solveigs Schuhen. 

Nach dieser schönen Wanderung sehen wir zu, dass wir die Bergregion verlassen, denn es steht Schnee auf dem Wetterradar. Das Wetter zeigt uns den Weg Richtung Ostküste und wir buchen uns für drei Nächte in ein Apartment mit Meerblick ein, kochen gemütlich, trinken Wein und können sogar vom Sofa aus ganz weit in der Ferne einen springenden Wal beobachten. Wir erkunden die Ostküste, sehen traumhafte karibische Strände und Solveig und mir blutet das Herz, da es für ein erfrischendes Bad einfach zu windig und kalt ist. 

Das Wetter ist aber zum Glück gut genug um eine 4-Tages-Tour auf Maria Island zu planen. Denn die Insel soll landschaftlich wunderschön und sagenhaft für die Tierbeobachtung sein. Also buchen wir die kleine Fähre, packen die Rucksäcke und starten unseren Trip nach Maria Island im Südosten Tasmaniens. Und schon nach 10 Minuten auf der Insel sind wir im Wombat-Himmel. 

Wir laufen den Küstenweg entlang und können unseren Augen kaum glauben. Die Wiesen sind voll mit Wombats. Wir fragen uns wieviele wir wohl in den vier Tagen sehen werden und Roman und ich schätzen (unabhängig voneinander) auf 80, Solveig auf 65. Wir zählen fleißig den ganzen Tag und am Ende des Tages kommen wir auf 160 gesichteten Wombats – in nur einem Tag. Irre und Romans Kamera bekommt keine Pause. Abends am Zeltplatz können wir zudem auf der Wiese das friedliche Zusammenleben der Kängurus, Wallabys und Wombats beobachten. Die Tierbeobachtung hat uns schon mal nicht enttäuscht und da auf der Insel Autoverbot herrscht und die Campingplätze lediglich ein Plumsklo haben, sehen wir, außer ein paar rustikalen tasmanischen Wanderern in kurzer Hose, kaum Menschen. 

Neben all den Wombats und Kängurus können wir zudem die super süßen Echidnas beobachten, die einfach zu drollig durch das Gras kriechen und mit ihrer langen Nase nach Essen suchen. 

Maria Island ist traumhaft schön. Die endlos langen Strände voll mit wunderschönen Muscheln aller Art, der Wald voller Leben, die raue Felsküste im Norden und die zwei Berge zu Erklimmen, um alles nochmals von oben zu geniessen. 

Nach vier Tagen verlassen wir dieses schöne Paradies und machen uns auf zu unserem letzten Stop auf Tasmanien – Hobart. Denn wie es der Zufall immer will, leben hier Nadia und Chris, ein Pärchen aus der Ostschweiz. Roman ist mit Nadia zur Schule gegangen und das Wiedersehen ist natürlich ein weiteres Highlight. Wir werden mit einem Hackbraten und selbstgemachten Spätzli begrüßt und sind im siebten Himmel nach 4 Tagen Polenta und Haferflocken. Nadia verwöhnt uns am nächsten Morgen mit einem selbstgemachtem Zopf und am Abend gibt es zu unserer größten Freude Raclette mit tasmanischem Raclette-Käse. 

Einfach schön, ein wenig Heimat auf der anderen Seite der Welt zu verspüren und wir genießen das Wochenende sehr. Wieder auf dem Weg zurück zur Fähre legen wir noch einen Stop in Launceston ein und treffen Romans alten Arbeitskollegen Thomas aus der Schweiz, der mit seiner Frau Iris für ein Jahr durch Australien reist. Was für ein Zufall, dass wir genau zur gleichen Zeit in Tasmanien unterwegs sind. Wir machen einen gemeinsamen Spaziergang und verabschieden uns 4 Stunden später wieder.

Und dann sind auch schon zwei Wochen um und wir gehen wieder an Board der Fähre zurück nach Melbourne. Ich bin ziemlich erledigt, es war eine intensive Zeit für Roman und mich. Seit 4 Wochen sind wir konstant unter Menschen, erzählen viel, begrüßen uns und müssen wieder Abschied nehmen. Emotional eine ganz schöne Herausforderung. Der Abschied von Solveig am nächsten Morgen ist natürlich erneut tränenreich, aber wir wissen zum Glück, dass wir uns dieses Mal schneller wieder sehen werden und sind dankbar über diesen tollen gemeinsamen Trip. 

Nun heißt es für uns nach Perth zu gelangen, denn – es hört einfach nicht auf mit den Highlights – wir werden mit meiner Mutter für 5 Wochen gemeinsam reisen. Da wir wussten, dass ein gemeinsamer Trip mit uns für meine Mutter ein einmaliges Geschenk ist, sind wir über unseren ökologischen Schatten gesprungen und haben sie nach Australien eingeladen. Sie konnte ihr Glück kaum glauben, als wir ihr davon erzählten. Da wir nachher mit einem Containerschiff von Westaustralien Richtung Malaysia weiterreisen, entschieden wir uns für einen Roadtrip entlang der Süd-Westküste. 

Ohne mit dem Flugzeug nach Perth zu gelangen wird einfach, denken wir uns naiv. Denn wir lesen im Vorfeld über eine Zugverbindung. Doch als wir die Website des Zuges anschauen, realisieren wir, dass es ein touristischer Schicki-Micki Zug ist und ein Vermögen kostet. Kurzerhand informieren wir uns über Alternativen. Auf der 3500 km langen Strecke fährt kein Bus. Zum Glück finden wir dann auf der Plattform “Share a Ride” Fred, ein in Melbourne lebender Belgier. Mit seiner Frau hat er ein dreiwöchigen Roadtrip an der Süd-Westküste geplant, da seine Frau aber noch arbeiten muss, fährt er das Auto alleine nach Perth. Wir nehmen Kontakt zu ihm auf und erfahren, dass er eigentlich eine Woche später als wir fahren will. Doch wie der Zufall wieder auf unserer Seite ist, entscheidet er sich kurzerhand eine Woche früher zu starten und uns mitzunehmen. Mal wieder Glück gehabt. Wir verbringen total entspannte Tage on the road, fahren täglich um die 9 Stunden die endlose Nullabor-Strecke (die wir damals auch schon gefahren sind) entlang und übernachten auf den gratis Rastplätzen am Highway. 

Vor 12 Jahren versus heute

Nach 3.5 Tagen kommen wir pünktlich in Perth an um meine Mutter vom Flughafen abzuholen. Doch mehr zu unserer Zeit im Westen mit Mama bald, zunächst noch die wunderbaren Bilder von Tasmanien. 


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