Willkommen in Asien

Malaysia/Indonesien: Tanjung Pelepas – Kota Kinabalu, 31.1. bis 18.2.20: 

Wir schnallen unsere Rucksäcke auf und verlassen auf der wackeligen Treppe das Containerschiff. Willkommen in Asien und im feucht-tropischen Klima. Der Schweiß tropft schon nach 5 Minuten die Stirn runter. Nun heißt es auf schnellstem Wege zum Fährterminal gelangen, damit wir noch die Fähre nach Borneo erwischen, die nur alle 3 Wochen fährt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, gefolgt von einem in Erinnerung bleibenden Fähr-Abenteuer. 

Zum Glück ist die erste Fähre auf die kleine Insel Tanjung Pinang südlich von Singapur kein Problem. Von dort aus soll die große Fähre nach Borneo abfahren. Direkt nach unserer Ankunft im Hotel fahren wir zum Ticketbüro und müssen frustrierenderweise feststellen, dass erst morgen um 8 Uhr das Büro wieder geöffnet ist. Also stehen wir pünktlich am nächsten Morgen vor dem Schalter und warten zunächst auf die Dame, die dann um 8.30 Uhr das Büro öffnet. Hier läuft alles Indo-Zeit und so schnell lässt sich keiner Stressen. Zum Glück hilft uns ein netter junger Mann mit der Verständigung und übersetzt uns, dass die Fähre ausgebucht ist. Oh nein. Wir fragen nach Alternativen, überlegen hin und her und halten den ganzen Betrieb hinter uns auf. Dann werden wir kurzerhand von der Dame am Schalter nach drinnen gewunken. Sie könne uns doch noch zwei Tickets ausstellen, allerdings keine “Matratzen-Plätze“. Egal, nehmen wir, antworten wir begeistert. Dann geht alles ganz schnell. Wir zahlen die umgerechnet 20 Euro für die geplante 50 Stunden Fähre, fahren ins Hotel, packen und fahren auf direktem Wege zum Fährterminal auf der anderen Inselseite. Dort angekommen warten wir dann auf dem Boden sitzend mit den anderen Fahrgästen auf die Fähre. Und mit einer Stunde Verspätung fährt die große, in Deutschland gebaute, Fähre ein. 

Alle drängen an Deck und als ich der Schiffscrew unser Ticket zeige, werde ich etwas bemitleidenswert angeschaut und er signalisiert mir den Weg zu den Gängen. Wir können uns einfach irgendwo ein Plätzchen suchen. Wir laufen das Schiff ab und finden zunächst einen guten Platz draußen bei frischer Seeluft. Doch als das Schiff voller und voller wird, die Männer um uns herum anfangen zu rauchen und Fotos von uns machen, wird es mir zu bunt und zum Glück finden wir im Gang bei den Offizieren eine ruhige Ecke.

Abgesehen von einem weiteren Deutschen sind wir die einzigen weißen und somit die Stars an Bord. Selfie hier, Selfie da und Smalltalk bei jedem Gang durchs Schiff. Das haben wir bei unserer ersten Reise in Indonesien 2015 schon geliebt, die Offenheit und das Interesse der Indonesier. Diese Aufmerksamkeit schmeichelt, kann aber auf Dauer auch anstrengend werden. 

Zum Glück lernen wir direkt die fröhliche Sängerin Dyant kennen. Auf dem Weg zu ihrer Kabine kommt sie stets bei uns vorbei und teilt ihre zwei Stücke Melone mit uns. Trotz meiner fehlenden Indonesisch-Kenntnisse und ihrem fehlenden Englisch kann ich mit meinem Lachen ausdrücken wie dankbar ich ihr für diese Geste bin. Denn Morgens, Mittags und Abends gibt es trockenen Reis mit einem kleinen Stück Fisch und einer noch kleineren Portion verkochtem Gemüse. Sie lädt mich kurzerhand auf einen Kaffee in ihre Kabine ein und wir plaudern etwas, soweit die Sprache es zulässt. 

Jeden Abend singt sie in der Kantine für 1,5 Stunden und sorgt für etwas Schwung auf dem Schiff. Natürlich sind wir am Abend Ehrengäste und hören genügsam den indonesischen Popsongs zu. 

Am zweiten Tag erfahren wir die mittlerweile entwickelte Verspätung und aus geplanten 50 Stunden Fähre fahren werden 70. Nach einer dritten Nacht an Bord kommen wir ziemlich erschöpft in Pontianak auf der indonesischen Seite auf Borneo an. 

Wir entscheiden uns aber direkt die Nacht weiter nach Kuching (malaysischer Teil) zu fahren, damit wir erstmal Pause machen können. Als wären die 70 intensiven Stunden Fähre nicht genug, folgt nun noch eine der schlimmsten Nachtbusfahrten unserer Reise. Der Busfahrer wäre lieber Rennfahrer geworden, die komplette Strecke ist eine Baustelle und Nachts um 3 Uhr stehen wir 2 Stunden vor der Grenzüberquerung nach Malaysia und hören dem Geschnarche der Männer im Bus zu. Dann werden wir aus dem Bus gewunken und stehen nochmals 20 Minuten vor dem geschlossenen Grenzposten. Nach einer Stunde haben wir den Aus- und Einreisestempel und nach weiteren 2 Stunden Busfahrt kommen wir völlig erschöpft in Kuching an. Jetzt brauchen wir erstmal Erholung. Wir haben zum Glück ein nettes und vor allem ruhiges Apartment gemietet, wir schlafen viel und ich schnibbel wie verrückt Gemüse und Obst um wieder zu Kräften zu kommen. 

Einen Tag lang entdecken wir die Stadt Kuching und da das öffentliche Bussystem nicht funktioniert strecken wir einfach mal den Daumen raus und keine zwei Minuten später hält das erste Auto an und nimmt uns mit in die Stadt. 

Wir hätten vielleicht lieber alle Strecken per Anhalter fahren sollen, denn das Busfahren auf Borneo wird wirklich nicht unsere Lieblingsbeschäftigung. Verspätungen, schlechte Strassen, unbequeme Sitze, rasante Fahrer und nach einer weiteren Horror-Tour kommen wir in Brunei an, dem Kleinstaat an der Nord-Westküste Borneos. Wir verbringen einen Nachmittag in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan und bestaunen die prächtigen Moscheen und Paläste und die auf Holzstelzen gebauten Häuser am Flussufer. 

Nach all den anstrengenden Busfahrten suchen wir für Romans Geburtstag einen Ort zum relaxen und finden das kleine Eco-Resort Earth Park an der Nord-Westküste Borneos. Von Österreichern geführt haben sie hier einen kleinen Ort der Ruhe und Entspannung aufgebaut. Einfache Bambushütten, einsamer Strand, gesundes veganes Essen, das ist genau der richtige Ort für uns. 

Hier fühlen wir uns wohl und können unsere Reise-Energie wieder auftanken. Wir merken immer noch, dass wir etwas Reisemüde sind und die Rückkehr nach Hause kreist immer dominanter durch unsere Gedanken. Doch dann erhalten wir eine Nachricht die unsere Weiterreise schlagartig verändert. 

Wir dürfen für 6 Wochen als Crew mit einem australischen Pärchen durch Ost-Indonesien segeln. Wir flippen aus! Ein Traum den wir schon lange im Kopf hatten. Nur vom Wind getragen und im Einklang mit der Natur abgelegene Inseln erkunden. Und jetzt wird er Wirklichkeit. 

Dank einer Website die Segler und Reisende verbindet haben wir Kyle und Hayley kennengelernt und uns auf die Crew-Position beworben. Neben anderen Bewerbern haben wir dann das Glückslos gezogen und die Zusage erhalten. Ab Mitte März werden wir also gemeinsam Ost-Indonesien unsicher machen. 

Mit diesem neuen Reiseverlauf freuen wir uns völlig beflügelt darauf, jetzt noch Borneo zu erkunden. Für unseren nächsten Stop in der Stadt Kota Kinabalu haben wir bereits ein Zuhaue. Auf einer Fährfahrt lernen wir den 24-Jährigen Unternehmer Nick kennen, der uns direkt zu sich nach Hause einlädt. Das Angebot nehmen wir selbstverständlich an und schon wieder sind wir von der Gastfreundschaft berührt. Völlig selbstverständlich bekommen wir sein Bett, er lädt uns zum Essen ein und wir erkunden die Region. 

Nick erstaunt uns. Trotz seines jungen Alters können wir über viele Themen der Welt diskutieren und wir erfahren Erstaunliches über die Machenschaften der malaysischen Regierung. Im nächsten Beitrag erfahrt ihr mehr zu diesem Thema und über die dramatische Situation der Palmölplantagen aber auch über wundervolle Homestays und Naturerlebnisse.


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